An den Grenzen der Pragmatik


Veranstaltung
Beginn07.03.2017
Ende07.03.2017
OrtSaarbrücken
VonSimon Meier
Beschreibung

Arbeitstagung Linguistische Pragmatik 2017

7. März 2017, Universität des Saarlandes, Saarbrücken

Keynote-Speaker: Helmuth Feilke (Gießen)

Als linguistische Teildisziplin ist die Pragmatik längst vollständig etabliert und wirkt ihrerseits im Fach integrierend. Entsprechend kann sich die Pragmatik nicht mehr als revolutionärer Gegenentwurf zu einer sich einseitig entwickelnden Systemlinguistik verstehen. Auch aktuelle Grammatiken und Wörterbücher ordnen ihre Belege mittlerweile pragmatisch ein, und neuere Forschungsrichtungen wie die Grammatikalisierungstheorie, die Konstruktionsgrammatik oder die Korpuslinguistik, die gerade die Interdependenzen von Sprachsystem und Sprachgebrauch betonen, fügen sich ohnehin nicht einer allzu strikten Zweiteilung des linguistischen Gegenstandsbereichs.

Ein Aspekt dieser Entwicklung ist, dass – wenigstens im deutschen Sprachraum – die klassischen gegenstandsbezogenen Bestimmungen der Pragmatik als synchron angewandte Theorie der Deixis, Sprechakte, Implikaturen usw. in den Hintergrund rücken zugunsten eines Verständnisses von Pragmatik als einer funktionalen Perspektive auf Sprache und Sprachgebrauch, die quer zu den üblichen Teildisziplinen der Linguistik steht. Strikte Eingrenzungen des Gegenstandsbereichs der Pragmatik, aber auch die üblichen Gründungsmythen etwa um die Entdeckungen der Ordinary Language Philosophy verlieren so an Plausibilität.

Dieser Befund einer gewissen Entgrenzung der linguistischen Pragmatik (die auch mit Identitätsfragen einhergeht) soll Anlass sein, auf der kommenden ALP-Tagung gerade nach den Grenzen der Pragmatik zu fragen. Lassen sich überhaupt Grenzen ziehen, wo wären sie zu ziehen und wie ließe sich das begründen? Dabei wollen wir u. a. folgende Achsen unterscheiden, an deren Enden solche Grenzen zu erwarten sind:

1. Fachgeschichtlich: Wie weit lassen sich über die üblichen Gründungsdaten der Pragmatik hinaus in der Wissenschaftsgeschichte Konzepte und Theorien zurückverfolgen, die als (proto-)pragmatisch bezeichnet werden können? Kann man gegenwärtig bereits von einer postpragmatischen Phase sprechen, etwa angesichts diskurslinguistischer Kritik an für die Pragmatik so wichtigen Begriffen wie Intention, Gemeintes und Außersprachliches?

2. Gegenstandsbezogen: Was sind aus welchen Gründen genuin pragmatische Gegenstände und wo hört die Zuständigkeit der Pragmatik sinnvollerweise auf? Wird durch den Verzicht auf klare Gegenstandsbestimmungen nicht gleichsam unter der Hand und in anderem Gewand der Vorwurf des „pragmatic wastebasket“ (Bar-Hillel) wieder aktuell, wenn alle nicht explizit an semantischen oder grammatischen Fragestellungen interessierten (interdisziplinären) Forschungsrichtungen kurzerhand der Pragmatik zugerechnet werden? Welche möglicherweise ungewöhnlichen Gegenstände werden derzeit aus pragmalinguistischer Sicht erforscht?

3. Methodisch: Gibt es eine konsensfähige spezifisch pragmatische Methodik und Methodologie? Wie ließen sich ihre Spezifika bestimmen, etwa angesichts der Tatsache, dass auch die Grammatikforschung längst korpusbasiert mit Sprachgebrauchsdaten arbeitet? Bedarf es innerhalb der Pragmatik einer Neubestimmung ihrer theoretisch-methodischen Prämissen?

Diese Fragen sollen auf der kommenden ALP-Tagung diskutiert werden. Besonders willkommen sind Vorträge mit konzeptioneller Orientierung, wobei die zu entwickelnden Bestimmungen über die Grenzen der Pragmatik selbstverständlich anhand von empirischen Fallstudien veranschaulicht werden können. Von allen Vortragenden wünschen wir explizit zwei bis drei Thesen in der Form „Pragmatik ist (nicht) …“ zu formulieren und zur Diskussion zu stellen.

Wenn Sie einen Vortrag halten möchten, schicken Sie bitte einen Vorschlag mit Titel und Abstract (max. 400 Wörter) bis zum 16.10.2016 an kontakt@alp-verein.de. Anmeldungen ohne Vortrag werden ebenfalls unter dieser Adresse entgegen genommen. Den ausführlichen Call for Papers, weitere Informationen zur Tagung und zur ALP e. V. finden Sie rechtzeitig auf unserer Internetseite (http://www.alp-verein.de).

Tagungsgebühren:

  • ALP-Mitglieder: 10 €
  • Nicht-Mitglieder: 20 €
  • Studierende (ohne Einkommen und Stipendium): 5 €

Reisestipendien:

Die ALP e.V. vergibt für Mitglieder ohne Einkommen Reisestipendien zur (Teil-)Finanzierung der Anreise nach Konstanz. Informationen zur Mitgliedschaft finden Sie auf http://www.alp-verein.de.

Tagungsorganisation:

Bettina Bock (Leipzig)
Philipp Dreesen (Bremen)
Konstanze Marx (Berlin)
Simon Meier (Berlin)
Robert Mroczynski (Düsseldorf)